Allgemeines
Zu den Pflanzengesellschaften

 
Jüngste Änderung: 13.VII.2012 Aktualisierung wissenschaftlicher Artnamen in diversen Artikeln
Einfügen neuer Bilder in Gentiano-Koelerietum und Mercurialietum annuae

Vorwort

Die "Rheinischen Pflanzengesellschaften" bieten einen umfassenden Überblick über die Vegetation des Rheinlands. Sie richten sich an fortgeschrittene Laien und Biologiestudenten. Die Artikel sind aber grundsätzlich so aufgebaut, dass sich auch Anfänger mit Hilfsmitteln  (Erläuterungen auf dieser Seite / Lexikon) zurecht finden können.

Ausgestattet mit einer umfangreichen Diasammlung und einem Filmscanner habe ich 1997 angefangen, jeden Monat eine illustrierte Beschreibung einer heimischen Pflanzengesellschaft ins Internet zu stellen. Um den Umfang überschaubar zu halten, aber auch, weil ich überzeugter Rheinländer bin, habe ich mich von vorn herein auf das Rheinland beschränkt. Im Lauf der Zeit hat die Seite eine solche Eigendynamik entwickelt, dass ich mich entgegen der ursprünglichen Absicht entschloss, dies zu einer möglichst vollständigen Übersicht über die im Rheinland vorkommenden Pflanzengesellschaften auszubauen. Im Juli 2005 ist dann die letzte Folge erschienen. Einzelne Ergänzungen und Aktualisierungen nehme ich bis heute vor, aber im Prinzip ist das Projekt damit abgeschlossen.
 

Was sind Pflanzengesellschaften?

Jedes Lebewesen braucht zum Überleben ganz bestimmte Umweltbedingungen. So ist es an ein bestimmtes Klima angepasst, bevorzugt eine bestimmte Nahrung, ist von bestimmten Fressfeinden, Parasiten oder Krankheiten bedroht u.v.a.m.  Die Summe aller dieser Faktoren nennt man die "ökologische Nische" eines Organismus. Das gilt natürlich auch für Pflanzen. So wird man den Roten Fingerhut oder den Besenginster nie auf Kalkböden finden, Wollgras nur in Mooren antreffen oder der Bärwurz erst in höheren Mittelgebirgslagen begegnen.

Deshalb findet man an Stellen mit vergleichbaren Umweltbedingungen auch weitgehend die gleichen Pflanzenarten. Solche charakteristischen Kombinationen von Pflanzenarten nennt man eine Pflanzengesellschaft (Assoziation). Nicht alle Pflanzenarten reagieren gleich empfindlich; deswegen sind nur wenige Arten mit enger ökologischer Nische geeignet, solche Assoziationen zu charakterisieren. Ziemlich ähnliche Pflanzengesellschaften, die sich nur in wenigen Charakterarten unterscheiden, werden zu einem Verband zusammengefasst, Verbände mit weitgehend gleicher Artenkombination werden zu einer Ordnung zusammengefasst. Hinreichend ähnliche Ordnungen werden schließlich noch zu Klassen zusammengefasst. Ein Verband ist im Namen an der Endung -ion zu erkennen; Ordnungen enden auf -etalia, Klassen auf -etea.

Aus zwei Gründen sind Pflanzengesellschaften besonders geeignet, Biotope allgemein zu charakterisieren. Einmal sind Pflanzen als sogenannte Produzenten die Grundlage jeder Nahrungskette. Alle Tiere, egal ob sie direkt von Pflanzen leben oder sich von Pflanzenfressern ernähren, sind davon abhängig. Zum anderen spiegeln Pflanzen, da sie sich nicht von ihren Wuchsort entfernen können, unmittelbar kleinsträumige Eigenschaften des Bodens wieder. Deshalb lassen sich viele Bodeneigenschaften direkt vom Pflanzenkleid ablesen.
 

Geografische Abgrenzung

Die Ausführungen beziehen sich auf das Rheinland im Sinne der alten preußischen Rheinprovinz, umfassen also den Niederrhein, die Niederrheinische Bucht, Eifel (einschließlich Ostbelgien), Bergisches Land, Hunsrück, Westerwald, Nahegebiet und Rheinhessen. Dies schränkt die Fülle des Materials auf ein noch halbwegs übersichtliches Maß ein und entspricht ganz pragmatisch dem, was man von Aachen aus noch so gerade in einem Tagesausflug bewältigen kann.
 

Für die Fachleute: Quellen und Taxonomie

Die Taxonomie der Gesellschaften und die Einstufung der Charakterarten richten sich weitgehend nach OBERDORFER (Exkursionsflora und Süddeutsche Pflanzengesellschaften). Weitere Quellen sind ELLENBERG (Vegetation Mitteleuropas) und die Synopsis der Pflanzengesellschaften der Floristisch-soziologischen Arbeitsgemeinschaft. In strittigen Fällen werden zusätzliche Quellen diskutiert, die dann im jeweiligen Artikel genannt werden.

Darüber hinaus gehende Bemerkungen, insbesondere was lokale Besonderheiten betrifft, beruhen auf eigener Anschauung.

Nachtrag: Inzwischen ist auch das "Verzeichnis und Rote Liste der Pflanzengesellschaften Deutschlands" (RENNWALD, E. [ed.] 2000) der Bundesanstalt für Naturschutz herausgekommen. Ziel war es, eine Art Standardliste zu schaffen, um in der praktischen Arbeit für vegetationskundliche Gutachten, Erstellung von Biotoppflegeplänen u.ä. eine einheitliche Sprachregelung zu schaffen. Dabei musste ein Kompromiss zwischen grundsätzlich unterschiedlichen "Schulen" gefunden werden, der westdeutschen Schule der Kennartenmethode, für die u.a. der Name OBERDORFER steht, und die auch für diese Seite maßgebend ist, und der ostdeutschen Schule, die Gesellschaften nach bestimmten Artenkombinationen definiert; hierfür steht z.B. der Name PASSARGE. Es liegt in der Natur der Sache, dass viele der hierdurch entstandenen Kompromisse mehr oder weniger vorläufigen Charakter haben und weiterer Klärung bedürfen.  Abgesehen davon, dass ich ohnehin die Kennartenmethode bevorzuge, habe ich auch keine Lust, zahlreiche ältere Artikel auf die Taxonomie des "Verzeichnis..." umzustellen. Da dort eine umfassende Synonymik enthalten ist, ist es problemlos möglich, die hier benutzten Namen und Abgrenzungen im "Verzeichnis..." wiederzufinden.
 
 


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Joachim Schmitz, 13.VII.2012
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