Allgemeines
 

Auwälder werden wenigstens einmal im Jahr überschwemmt. Der Boden ist zwar grundwassernah aber - im Gegensatz zu Bruchwäldern - nicht ständig durchnässt. An größeren Flüssen kann man eine Hartholz- und eine Weichholzaue unterscheiden. Die Weichholzaue wird von verschiedenen Weidenarten beherrscht und wird im Jahr mehrfach überflutet. Wegen der Verbauung und Kanalisation der großen Flüsse ist die Weichholzaue in Mitteleuropa bis auf winzige Reste ausgestorben.

Frühjahrsaspekt
Den reichsten Blühaspekt hat der Sternmieren-Auwald im Frühjahr, hier mit Wald-Gelbstern (Gagea lutea) und Gefingertem Lerchensporn (Corydalis solida).

Die Hartholzaue wird in der Regel nur im Frühjahrshochwasser überschwemmt. Deshalb kommt diese Art von Auwald auch an kleineren Gewässern vor. Allerdings sind ihre Flächen durch landwirtschaftliche Nutzung oft auf schmale Streifen entlang der Bäche und Flüsse zurückgestutzt. Der typische Auwald der Mittelgebirgsbäche ist der Hainsternmieren-Erlen-Wald. Während Bruchwälder und Weichholzauen sich im Artengefüge deutlich absetzen und deshalb eigenen Klassen zugerechnet werden, unterscheiden sich die Hartholzauen und damit auch der Sternmieren-Erlen-Wald von anderen sommergrünen Laubwäldern Mitteleuropas nur graduell und werden deshalb zur gleichen Klasse gezählt. Unter den Gehölzen dominieren Erlen, aber auch andere Edelhölzer wie Eschen und Rotbuchen können gut vertreten sein.
       Der Sternmieren-Roterlen-Wald ist der typische Auwald an Bächen in colliner und montaner Höhenlage.  Gut entwickelte Bestände sind sehr selten geworden.
 

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Charakterarten
 
 
Die bezeichnendste Kennart ist die Hain-Sternmiere (Stellaria nemorum) (rechts). Vom ähnlichen Wasserdarm (Myosoton aquaticum) unterscheidet sich die Art durch das Fehlen klebriger Drüsen (kann man mit den Fingern am Stängel fühlen) und die frühe Blütezeit (ab Mai, in warmen Frühjahren auch schon ab Ende April). 

Im Osten tritt als weitere Charakterart der Straußfarn (Matteuccia struthiopteris) hinzu. Im Rheinland ist die Art sehr selten und stammt überwiegend aus Verwilderungen von Kulturpflanzen. 

 

Stellaria nemorum

 
Chrysosplenium alternifolium
    Das Wechselblättrige Milzkraut (Chrysosplenium alternifolium) ist eine Verbandscharakterart der Hartholzauen. Von dem kleinerwüchsigen Gegenblättrigen Milzkraut (Chrysosplenium oppositifolium) unterscheidet es sich vor allem durch die durchgehend wechselständige Beblätterung. 

    Eine weitere Verbandscharakterart ist der oben abgebildete Wald-Gelbstern (Gagea lutea).

 
In sumpfigen, öfters überschwemmten Böden sind die Stabilität und die Sauerstoffzufuhr die größten Probleme für Bäume. Beides kann durch brettartig hochwachsende Wurzeln sichergestellt werden. In tropischen Sumpfwäldern besitzen viele Arten solche Brettwurzeln. In Mitteleuropa ist einzig die Flatter-Ulme (Ulmus laevis) in der Lage, solche Brettwurzeln auszubilden (Abb. rechts). Wegen der als "Ulmensterben" bekannten Pilzinfektion ist die Art aber inzwischen sehr selten geworden.
Brettwurzel
 
Equisetum sylvaticum
    Der Wald-Schachtelhalm (Equisetum sylvaticum) bevorzugt luftfeuchte Mittelgebirgslagen und fehlt deshalb im Flachland.
     
     
     
     
     

    Eine ganze Reihe weiterer, nährstoff- und feuchtigkeitsliebender Arten war früher auf Auentäler beschränkt und wurde deshalb als Verbandscharakterarten angesehen. In den vergangenen Jahrzehnten ist eine kontinuierliche Aufdüngung der Böden zu beobachten. Autoabgase und Gülleausdünstungen können sich in der Luft ausbreiten und weit entfernt durch Regen niedergeschlagen werden. Im siedlungsnahen Bereich ist auch die Aufdüngung durch die enorme Zahl ausgeführter Hunde nicht zu unterschätzen. So konnten sich die Auwald-Arten weit über ihre ursprünglichen Biotope ausbreiten. Selbst in ausgesprochen mageren Waldtypen, z.B. im Hainsimsen-Buchenwald (Luzulo-Fagetum), findet man am Wegrand solche Arten. 


 
Circaea lutetiana Das krasseste Beispiel hierfür ist das Französische Hexenkraut (Circaea lutetiana) (links). Das Hexenkraut hat sich massenhaft in Parks, Grünanlagen, ja selbst in Kübeln und Baumscheiben breit gemacht.

Noch nicht ganz so weit ist der Wald-Ziest (Stachys sylvatica) (rechts) vorgedrungen; aber auch diese Art kommt inzwischen häufiger in gestörten Stellen anderer Wälder als im eigentlichen Auwald vor.

Stachys sylvatica

Das Große Springkraut (Impatiens noli-tangere) oder "Rühr-mich-nicht-an" (unten) bevorzugt sickerfeuchte Böden und konnte sich deshalb nicht so weit auf naturferne Standorte ausbreiten wie die vorigen Arten.

Impatiens noli-tangere


Weitere, hier nicht abgebildete Verbandskennarten sind der Blutrote Ampfer (Rumex sanguineus), die Hunds-Quecke (Elymus caninus) und der Riesen-Schwingel (Festuca gigantea). Ähnlich wie das Hexenkraut zeigt auch der Riesen-Schwingel starke Tendenzen, zum Kulturfolger zu werden.
 
 
Die Nachtviole (Hesperis matronalis) ist im Rheinland nicht heimisch. Die kontinental verbreitete Art wurde früher häufig als Zierpflanze gehalten und ist vielfach aus der Kutur verwildert. Ihr ursprüngliches Biotop sind Auwälder, weshalb sie als Alno-Ulmion-Charakter- bzw. Differentialart gilt. In Westdeutschland wächst sie aber meistens in Ersatzgesellschaften der Auwälder, vor allem in Böschungen und Staudenfluren der Ordnung Glechometalia (Klassse Artemisietea).
Hesperis matronalis

 
Primula elatior
Darüberhinaus finden sich hier weitere Pflanzen, die einen höheren Nährstoffgehalt bevorzugen und Austrocknung nicht vertragen. Z.B. kommt die Hohe Schlüsselblume (Primula elatior) überwiegend in Auwäldern, aber auch in Hainbuchen-, Buchen- und in Linden/Ahorn-Wäldern vor. Die Hohe Schlüsselblume ist auf Mullböden mit guter Zerstzung und Durchlüftung angewiesen und kann deshab nicht an gestörten Stellen wie Wegränder, Gräben usw. existieren.

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Vorkommen
 

Das Stellario-Alnetum war ursprünglich in den Mittelgebirgen sehr häufig. Mit der Nutzung der Talauen als Wiesen oder Weiden wurde der Auwald oft ganz vernichtet oder auf schmale, bachbegleitende Gehölzstreifen zurückgedrängt, die natürlich ihren Waldcharakter verloren haben. Trotzdem ist die Gesellschaft im Rheinischen Schiefergebirge noch weit verbreitet, vor allem an kleinen Bächen in geschlossenen Waldgebieten.

Die Arten der Krautschicht können sich oft noch in den Ersatzgesellschaften halten. Z.B. findet man den Wald-Gelbstern (Gagea lutea) nicht selten auch in bachnahen Wiesen und Weiden, was ein sicheres Zeichen ist, dass hier von Natur aus ein Auwald wachsen würde.
 

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Ähnliche Gesellschaften
 

In unmittelbarer Nähe von Quellen und im Bereich von austretendem Sickerwasser wächst das Carici remotae-Fraxinetum (Winkelseggen-Eschen-Wald), das durch die Dominanz der Winkel-Segge (Carex remota) (Abb. unten) gegen den Sternmieren-Auwald abgegrenzt ist. Die Winkel-Segge kommt allerdings auch sehr oft abseits dieser Gesellschaft auf nassen Waldwegen, an Wassergräben usw. vor.

Carex remota
 
Ähnliches gilt für den Berg-Ehrenpreis (Veronica montana) (rechts); er gilt deshalb als schwache Charakterart des Carici remotae-Fraxinetum. Er kommt aber auch in anderen Auwäldern vor und wird deshalb meist als Verbandskennart eingestuft.

Der Name ist übrigens irreführend:. Die Art ist keineswegs auf höhere Lagen beschränkt.

Veronica montana

 
 
Equiseto telmateiae-Fraxinetum
    Mit zunehmendem Kalkgehalt gehen ausgesprochene Säurezeiger wie die Winkel-Segge (Carex remota) und die Rot-Erle (Alnus glutinosa) zurück und Kalkzeiger wie der Riesen-Schachtelhalm (Equisetum telmateia) gewinnen überhand. Dieser Auwaldtyp wird als Equiseto telmateiae-Fraxinetum (Riesenschachtelhalm-Eschen-Wald) bezeichnet. 
    Aufgrund dieser Ansprüche ist dieser Auwald schon von Natur aus sehr viel seltener als die beiden oben beschriebenen Gesellschaften. 
     
     
     
     
Equiseto-Fraxinetum im Würselener Stadtwald.
Im Vordergrund sind die hellgrünen Triebe des Riesen- 
Schachtelhalms (Equisetum telmateia) zu erkennen.  
 
Ribeso-Fraxinetum
 
 
Ribes rubrum
Der Johannisbeer-Eschen-Auwald (Ribeso sylvestris-Fraxinetum) (oben) hat im Wurzelbereich Kontakt mit dem Grundwasser, steht damit viel nasser als die übrigen Hartholzauen und vermittelt so zu den Bruchwäldern (Kl. Alnetea). Im Gegensatz zu diesen brauchen die Pflanzen des Unterwuchses aber deutlich mehr Nährstoffe. Es handelt sich z.B. um Großseggen, aber auch um Arten der Sumpfwiesen und Sumpfstaudenfluren. Einzige definitive Charakterart ist die Rote Johannisbeere (Ribes rubrum) (links), deren Wildform man u.a. an der reichlichen Ausbreitung durch Wurzelbrut erkennen kann. Wie bei anderen Obstgehölzen nähern sich Populationen verwilderter Kulturpflanzen oft der Wildform wieder an, so dass beide Formen heute höchstens noch auf dem Niveau einer Varietät unterschieden werden.

Die Gesellschaft ist subatlantisch verbreitet und kommt z.B. in der Niederrheinischen Bucht und dem benachbarten Grenzland vor.

 
Pruno-Fraxinetum

Im Flachland wird das Stellario-Alnetum vom Traubenkirschen-Auwald (Pruno-Fraxinetum) ersetzt. Die namengebende Trauben-Kirsche (Prunus padus ssp. padus) ist allerdings nicht sehr spezifisch, so dass sie als Kennart nicht tauglich ist. Die Gesellschaft ist eher durch das Fehlen der typischen Arten der anderen Auwälder als durch eigene strenge Kennarten charakterisiert. Deshalb wurden in der Literatur oft Auwälder mit unvollständigem Artenspektrum unkritisch dem Pruno-Fraxinetum zugeschlagen. So ist die genaue Verbreitung des Pruno-Fraxinetum nicht sicher bekannt. Im Rheinland ist die Assoziation wohl eher selten. Nach Osten wird sie häufiger; das obige Foto stammt z.B. aus Wiedenbrück in Westfalen.
Im Übrigen sind auch die Angaben für den Niederrhein und die Niederrheinische Bucht in der Roten Liste der Pflanzengesellschaften in Nordrhein-Westfalen (VERBÜCHELN et al. 1995: 285f) in Zweifel zu ziehen. Hier wurde das Pruno-Fraxinetum mit dem Ribeso-Fraxinetum (s.o.) in einen Topf geworfen. Die angegebene Pflanzenliste gehört eindeutig zum Ribeso-Fraxinetum, was durch die Anwesenheit der Roten Johannisbeere (Ribes rubrum) und verschiedener hochwüchsiger Stauden zu belegen ist.

Der u.a. durch die Feld-Ulme (Ulmus minor) charakterisierte Hartholzauwald der großen Flüsse ist der Eichen-Ulmen-Auwald (Querco-Ulmetum minoris). Durch Umwandlung in Grünland und Bebauung sind die Vorkommen auf winzige, stark gefährdete Reste zusammengeschrumpft.
 

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Joachim Schmitz,  21.VII.2005
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