Allgemeines


Trifolio-Agrimonietum eupatoriae
    Saumgesellschaften sind Pflanzengesellschaften im Übergang von Gehölzen zu Magerrasen. Oft kommen sie auch an entsprechenden Weg- und Straßenböschungen vor. 
    In Deutschland gibt es nur zwei Verbände von Saumgesellschaften. Im Geranion sanguinei sind besonders wärmeliebende Gesellschaften vereinigt, die teilweise auch die natürliche Dauervegetation darstellen. Weniger anspruchsvolle Staudensäume werden im Verband Trifolion medii zusammengefasst. Hier handelt es sich ausschließlich um vom Menschen geschaffene Biotope am Rande von Magerrasen und Heiden und sekundär an Wegrändern. 
    Das Trifolio-Agrimonietum ist die typische Saumgesellschaft auf Kalkböden. Früher kam sie nur im Grenzbereich von Kalkmagerrasen zu Gebüschen vor. Heute findet man sie auch oft als Sukzessionsstadium ehemaliger Kalkmagerrasen. 
    Das Foto links zeigt die Klee-Odermennig-Gesellschaft an einer Straßenböschung bei Nideggen (Eifel). Die Straße ist durch den Bau einer neuen Umgehungsstraße verkehrstechnisch bedeutungslos geworden, so dass sich an ihrer Böschung ein artenreicher Staudensaum entwickeln konnte. In dem Gewirr zahlreicher Pflanzen fallen vor allem die hohen Blütenkerzen des Kleinen Odermennigs (Agrimonia eupatoria) auf.

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Charakterarten
 
 
Agrimonia eupatoria
    Wichtigste Charakterart ist der Kleine Odermennig (Agrimonia eupatoria). Im Blütenstand erinnert dieses Rosengewächs etwas an Königskerzen. Die Blüten sind aber viel kleiner; der Kelch ist zu widerhakigen Borsten umgebildet, so dass die Frucht im Fell von Tieren hängenbleibt, abgestreift wird und sich verbreitet. Auch das gefiederter Blatt mit deutlich gezähnten Fiederblättchen ist typisch für Rosengewächse.
 
Verbandskennart ist der Mittlere oder Zick-Zack-Klee (Trifolium medium). Die Art unterscheidet sich vom kommunen Wiesen-Klee nur durch die kahle Kelchröhre (die freien Kelchzipfel sind allerdings bewimpert). Mit zunehmender Erfahrung bekommt man aber einen Blick dafür, dass die Blütenköpfe etwas lockerer, die Blüten eher purpurn als rot und die Blätter etwas schmaler elliptisch sind.
    Trifolium medium

 
Origanum vulgare
    Da es bei uns nur eine Ordnung von Saumgesellschaften gibt, fallen Ordnungs- und Klassencharakterarten zusammen. 
    Dazu gehört z.B. der Dost (Origanum vulgare). Wie viele andere Lippenblüter enthält die Pflanze aetherische Öle, weshalb sie auch unter der Bezeichnung "Wilder Majoran" als Gewürzkraut benutzt wird. Was als "Oregano" in den Handel kommt, sind meistens verwandte Arten aus dem Mittelmeerraum.


 

Zur selben Familie gehört der Wirbeldost (Calamintha clinopodium). Die Art wurde von Linné ursprünglich in eine eigene Gattung gestellt und als Clinopodium vulgare bezeichnet. Nach neueren molekulargenetischen Untersuchungen gibt es dafür keinen Grund mehr.

Der deutsche Name ist etwas irreführend. Abgesehen von der Zugehörigkeit zur gleichen Familie hat der Wirbeldost mit dem echten Dost (s.o.) keine näheren Beziehungen.

Calamintha clinopodium

 

 

Astragalus glycyphyllos

Die Süße Bärenschote (Astragalus glycyphyllos) (oben) ist eine der wenigen Tragant-Arten, die im gemäßigten Klima Mitteleuropas vorkommen. Mit mindestens 1500 Arten gehört diese Gattung der Schmetterlingsblüter zu den artenreichsten Gattungen im Pflanzenreich. Die meisten Arten kommen in den Steppen Innerasiens vor.
 
 

Valeriana wallrothii
    Die meisten Arten aus der Verwandtschaft des Arznei-Baldrians bevorzugen feuchte Wiesen und ähnliche Biotope. Eine Ausnahme macht der Hügel-Baldrian (Valeriana wallrothii) (links). Er blüht vor allen anderen Arten aus der Valeriana officinalis-Gruppe (Arznei-Baldrian) und wird auch meistens nicht so groß. 
    Ganz unten links ist  - wenn man genau hinschaut - ein typisches Grundblatt mit zahlreichen, schmalen Fiederblättchen zu erkennen. 
     
     
     
     
     

    Eine weitere typische Art ist der Sichelklee (Medicago falcata) (unten). Er ist mit der Luzerne (Medicago sativa) eng verwandt und bildet damit auch Bastarde. Die Hybride ist an den schmutziggelben bis grüngelben Blüten zu erkennen und wird als Medicago x varia bezeichnet.

Medicago falcata
 

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Vorkommen
 

Der Klee-Odermennig-Saum kommt überall in den Mittelgebirgen auf Kalkböden vor. Dadurch, dass viele Kalkmagerrasen nicht mehr adäquat bewirtschaftet werden, hat sich die Gesellschaft  sogar als nachfolgendes Sukzesssionsstadium ausgebreitet. Auf lange Sicht wird sich die Gesellschaft aber nur dort halten können, wo die typischen Kontaktgesellschaften durch Naturschutzmaßnahmen aufrecht erhalten werden. Darüberhinaus können auch Straßenböschungen, die nicht gedüngt und nur gelegentlich gemäht werden, als Ersatzstandorte dienen.
 

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Ähnliche Gesellschaften
 

Im Rahmen des Verbands Trifolion medii gibt es im Rheinland an kalkliebenden Saumgesellschaften eigentlich nur das  Trifolio-Agrimonietum. Charakterarten verwandter Gesellschaften kommen höchstens vereinzelt als eingeschleppte Arten vor, z.B. die Waldwicke (Vicia sylvatica) an einem alten Bahndamm in der Eifel.
 

Teucrio scorodoniae-Centaureetum nemoralis
    Entsprechende Gesellschaften auf kalkarmen Böden sind oft sehr artenarm und schwer zu charakterisieren. Eindeutig durch Kennarten zu belegende Gesellschaften sind ziemlich selten. 

    Ein Beispiel ist das Teucrio scorodoniae- Centaureetum nemoralis (links). Die bezeichnende Kennart Centaurea nemoralis bzw. C. nigra ssp. nemoralis (Hain-Flockenblume) kommt in Südwestdeutschland öfters vor,  ist im Rheinland aber wahrscheinlich nur eingeschleppt. Von der in Borstgrasrasen und Gebirgswiesen verbreiteten Schwarzen Flockenblume (Centaurea nigra ssp. nigra) unterscheidet sie sich durch die unterschiedliche Zähnung der Hüllblätter. Das Foto stammt von einer Straßenböschung im Hürtgenwald, wo die Art vielleicht durch Straßenbaumaßnahmen eingeschleppt wurde.

Noch seltener ist die Saumgesellschaft der Heide-Wicke (Vicia orobus) (unten), das Trifolio medii-Vicietum orobi. Die Heide-Wicke gilt im Rheinland als Eiszeitrelikt und kommt nur an einer Stelle im deutsch-belgischen Grenzgebiet in der Gegend um Monschau vor.

Vicia orobus
 

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Joachim Schmitz,  7. II. 2010
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